Obdachlosigkeit in Dortmund

Bei einem Rundgang mit einem Betroffenen durch die Welt der Obdach- und Wohnungslosen am 8. April 2017 in Dortmund haben wir Armut und Not in unserer Nachbarstadt erlebt. Geführt wurden wir von einem Verkäufer der Zeitschrift Bodo. Hinter diesem Kürzel stehen die Städte Bochum und Dortmund und die Situation der Obdachlosen in diesen beiden Städten.

 

Rund 400 obdachlose Menschen leben nach Schätzungen von Stadt und Organisationen der Wohnungslosenhilfe in Dortmund. Viel mehr Menschen haben darüber hinaus irgendein Dach über dem Kopf, das aber mit einer Wohnung nur wenig zu tun hat. Wie sie den Tag verbringen, zeigt einmal im Monat die soziale Stadtführung von bodo.

 

Ausgangspunkt war die Buchhandlung Bodo am Schwanenwall. Wir haben uns mit 7 ZwarlerInnen einer Gruppe von insgesamt 14 Personen angeschlossen und wurden von einem ehemaligen Obdachlosen und einem Ehrenamtler drei Stunden lang durch die Dortmunder Innenstadt geführt. Erste Station war Drobs, die Drogenberatungsstelle der Stadt in unmittelbarer Nähe des Buchladens. Vor dem Haus erfuhren wir, dass Drogenabhängigkeit oft ein Weg in die Obdachlosigkeit ist. Scheidung, Verlust des Arbeitsplatzes und Schulden sind weitere Wege, die Menschen, die bisher in geordneten Bahnen lebten, in die Obdachlosigkeit führen.

 

 

 

Dritte Station unseres Rundganges war das

 

„GAST-HAUS statt BANK“

 

in der Rheinischen Straße.

Die etwa 100 ehrenamtlichen Helfer organisieren hier täglich (außer an Feiertagen)

ein gutes Frühstück für viele Obdachlose und begegnen ihnen mit Achtung, Würde und gastlichem Verhalten. Auch können Obdachlose in diesem Haus duschen und ihre verschmutzte Wäsche durch neue (gebrauchte) Kleidung ersetzten. Im Nebenhaus ist

eine Arztpraxis untergebracht, in der sich Hilfesuchende, auch ohne Krankenschein, behandeln lassen können.

 

Weiter gingen wir zum Männerhaus der Stadt Dortmund. Direkt an der Bahn und an einer Hauptverkehrsstraße steht ein Haus für obdachlose Männer. Die Männer können dort,

sofern Platz vorhanden ist, eine Nacht kostenlos in einem 7-Bett-Zimmer verbringen.

Für die folgenden Nächte sind 8 € zu zahlen.

Unter der Eisenbahnbrücke an der Schützenstraße haben wir erfahren, dass die Stadt

durch das Verschließen von Einbuchtungen versucht, Obdachlosigkeit aus der Innenstadt

zu verdrängen. Neonazis „arbeiten“ durch massive Verfolgung der Obdachlosen an dem gleichen Ziel.

Abschluss des Rundganges bildete der Besuch bei der Bahnhofsmission. Auch hier stehen viele Ehrenamtliche bereit, um Personen mit aktuellen Problemen, darunter auch vielen Obdachlosen, mit einem Kaffee, ein wenig Zuwendung und der Weiterleitung an andere Stellen, Hilfe zu gewähren.

 

Wir spürten an vielen Orten, wie schwer es ist, wenn man „ganz unten“ gelandet ist und wie notwendig Unterstützung ist, um wieder Würde zu spüren und sich ganz langsam auf den Weg aus der Obdachlosigkeit zu machen.

 

Fotos Christel, Erlebnisbericht Uwe